Fragen & Antworten: Das Sozialpraktikum am GSG

Was sind die Ziele des Sozialpraktikums?

Gesellschaften brauchen ein ethisches Bewusstsein, das auf das Gemeinwohl hin orientiert ist, um die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen. Deshalb versteht das GSG soziales Lernen nicht als Bonus, sondern als eine bedeutende Aufgabe von Schule, die bspw. in unserem Streitschlichtermodell, unserem Patenschaftssystem, in unseren vielfältigen interkulturellen Netzwerken oder im Netzwerk "Schule mit Courage" sichtbar wird. Insofern ist das soziale Lernen und damit auch das Sozialpraktikum Ausdruck unserer Leitlinien, mit denen wir uns nicht zuletzt unseren Namensgebern verpflichtet fühlen.

Aus allen diesen Beispielen wird deutlich, dass soziales Lernen weniger durch "kopflastiges Pauken" als durch Erfahrungen gelingen kann. Diese Erfahrungen machen die Schüler auch im Rahmen des Sozialpraktikums, in direkten Begegnungen und Handlungssituationen vor Ort. Das bedeutet auch, dass das Sozialpraktikum zwar auch, jedoch nur nachgeordnet der Berufsorientierung dient. Statt Berufszweigen begegnen die Schüler vor allem Menschen, indem sie ihre personalen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen weiter entwickeln. Im Einzelnen sollen die Schüler…

  • über den Tellerrand ihrer Lebenswelt bzw. ihres Milieus schauen und "gemiedene" oder sogar stigmatisierte Bereiche der Gesellschaft besuchen.
  • soziale Verantwortung in einer vielleicht schwierigen, aber menschlich befriedigenden, weil sinnstiftenden Berufsarbeit erfahren.
  • ihre Fähigkeiten zur Verantwortungsübernahme, Selbstorganisation sowie Eigeninitiative erweitern.
  • mit anderen Menschen / im Team / mit der Institution als solcher zurecht kommen und darüber ihre Selbstsicherheit stärken.
  • Empathie mit Schwächeren und Toleranz von Andersartigkeit aufbauen, Berührungsängste abbauen.
  • die Relevanz des eigenen Handelns erleben.
  • eigene Fähigkeiten/Grenzen erfahren (nach Studien werden oft höhere Belastbarkeit und Flexibilität erfahren als im Selbstbild erwartet).
  • ihre eigenen Belastungen zu den Belastungen (bspw. Krankheit), denen andere ausgesetzt sind, in Relation setzen können.
  • Verständnis für die gesellschaftspolitische Bedeutung sozialstaatlicher Einrichtungen erlangen.

Wann und wie wird das Sozialpraktikums durchgeführt?

Das Sozialpraktikum dauert zwei Wochen und findet vom 14.01.2019 bis 25.01.2019 in Jahrgang 10 statt. Einerseits haben die Schüler bis dahin die nötige Reife erlangt (bspw. kommunikative Fähigkeiten, Reflexionsfähigkeit), andererseits liegt damit das Praktikum nicht zu nahe am berufsorientierenden Praktikum des 11. Jahrgangs. Die Terminierung in der Nähe der Schuljahresmitte ermöglicht es, das Praktikum gewissenhaft vor- als auch nachzubereiten.

Dem Alter der Schüler entsprechend suchen sie sich vor Beginn des Praktikums selbst eine Einrichtung, nehmen eigenständig mit dieser (telefonisch) Kontakt auf und vereinbaren ein Vorstellungsgespräch. In diesem Rahmen kann es sein, dass gesundheitliche Bescheinigungen oder ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden muss (bitte beachten: dessen Beantragung bei der Stadt kann manchmal Wochen dauern). Spätestens zwei Wochen vor Praktikumsbeginn ist dem Klassenlehrer eine Zusagebescheinigung der Praktikumsstelle vorzulegen. Bleibt die schriftliche Bestätigung aus, werden die Eltern über das Versäumnis schriftlich von der zuständigen Klassenleitung informiert. Ferner werden die Kontaktdaten der Praktikumsstelle online erfasst.

Während des Praktikums bemüht sich die Einrichtung um altersgerechte Aufgaben, die die nicht einfache Balance zwischen angeleitetem und eigenverantwortlichem Lernen im Blick hält. Die Schüler sollten im Ergebnis der gesamten Praktikumszeit weder deutlich unter- noch deutlich überfordert werden (etwa bloßes Hospitieren auf der einen Seite und das subjektive Gefühl allein gelassen oder gar ausgenutzt zu werden auf der anderen). Hierzu dienen nicht zuletzt zwei bis drei Gespräche: das Vorstellungsgespräch, das Zwischengespräch und ein schriftliches Feedback durch die Einrichtung am Ende des Praktikums, das nach Möglichkeit auch noch einmal im persönlichen Gespräch kommuniziert werden sollte.

Die tägliche Arbeitszeit beträgt in der Regel 6 bis 8 Stunden mit den gesetzlich vorgegebenen Ruhepausen. Nach Jugendschutzgesetzes §8 und 11 darf die tägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten, die Wochenarbeitszeit nicht 40 Stunden. Länger als 4,5 Stunden dürfen Jugendliche nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden. Ruhepausen sind Arbeitsunterbrechungen von mindestens 15 Minuten. Zwischen 4,5 und 6 Stunden Arbeitszeit muss eine Pause von mindestens 30 Minuten gewährt werden, bei mehr als 6 Stunden beträgt diese mindestens 60 Minuten. Anders herum sollten 6 Stunden nicht unterschritten werden.

Die Schüler verpflichten sich, die Praktikumsstelle pünktlich zu besuchen und die dort geltenden Haus- und Personalordnungen einzuhalten. Besonders ausdrücklich sei darüber hinaus noch auf die Pflicht zur Verschwiegenheit hingewiesen.

Erkrankt ein Schüler in der Zeit des Praktikums, so muss am Morgen des ersten Krankheitstages, noch vor Dienstbeginn, die Praktikumsstelle benachrichtigt werden, im Anschluss daran die Schule (Anruf im Sekretariat). Eine schriftliche Entschuldigung der Eltern ist dem Sekretariat spätestens am dritten Krankheitstag vorzulegen.

Da es sich um eine schulische Veranstaltung handelt, sind die Schüler auch im Praktikum über die Schule versichert.

Ein Arbeitslohn wird nicht ausgezahlt.

Wie wird das Sozialpraktikum von der Schule begleitet?

Es ist kein Widerspruch, dass die Schüler ungeachtet ihrer Eigeninitiative von der Schule während des gesamten Prozesses begleitet werden. Dies geschieht im Einzelnen dadurch, dass…

  • zum Ende des 9. oder zum Beginn des 10. Schuljahres ein Erfahrungsaustausch mit dem vorangegangenen Jahrgang, der das Sozialpraktikum bereits absolviert hat, organisiert wird. Diese Veranstaltung findet während der regulären Schulzeit in der Aula statt.
  • den Schülern das Sozialpraktikum in einer Informationsveranstaltung vorgestellt wird.
  • die Schüler weitere Anregungen im Rahmen der Methodentage erhalten, die einige soziale Einrichtungen nutzen, um sich den Schülern zu präsentieren.
  • verschiedene Formschreiben, bspw. für die Bewerbung, auf der GSG-Homepage bereitgestellt werden.
  • die Schüler auf Wunsch von ihren Lehrern beraten werden (Klassenlehrer, Fachlehrer für Religion und Ethik, Mittelstufenleitung).
  • die Schüler während des Praktikums von einer ihnen bekannten Lehrkraft betreut und besucht werden (möglich ist das ab dem dritten Praktikumstag). Sollte es bereits vor dem Besuch zu Problemen kommen, können sich die Schüler jederzeit an die Mittelstufenleitung wenden (Email & Telefonnummer auf der Homepage).
  • die Erfahrungen der Schüler im Rahmen der Klasse nachbereitet werden.
  • das Sozialpraktikum von der Schule für interne Zwecke evaluiert wird.

Welche Einrichtungen sind für ein Sozialpraktikum geeignet?

Geeignete Einrichtungen sind bspw. Seniorenheime, Krankenhäuser, Einrichtungen der ambulanten Pflege, Werkstätten (auch Wohnheime für geistig und/oder körperlich Benachteiligte), Flüchtlingsarbeit, förderpädagogische- oder psychiatrische Einrichtungen, Reha-Einrichtungen, Obdachlosenheime, Wohnsitzlosenhilfe, Tafel, Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten, Bahnhofsmission.

Das bedeutet umgekehrt, dass nicht jede "soziale Arbeit" für das Sozialpraktikum geeignet ist. Dies trifft bspw. im Gegensatz zu einem Kindergarten mit einem förderpädagogischem Schwerpunkt auf einen Regelkindergarten zu, weil er das entscheidende Merkmal, das der "Bedürftigkeit", nicht erfüllt. Als bedürftig müssen uns Arme, Kranke und körperlich, geistig oder sozial Benachteiligte gelten, nicht jedoch Kinder.

Wie wird das Sozialpraktikum beurteilt?

Erfahrungen im Praktikum führen nicht per Automatismus zu Kompetenzen. Für "emotionales Lernen" ist die Reflexion des Erlebten nötig, damit die Gefühle zu Haltungen werden. Haltungen beruhen auf Einsicht. Insofern sind soziale Kompetenzen erlernbar und insofern ist die Nachbereitung wichtiger Bestandteil des Praktikums.

Aus diesem Grund wird das Sozialpraktikum über einen in Formalia, Leitfragen und Aufbau vorstrukturierten Praktikumsbericht dokumentiert und reflektiert. Der Praktikumsbericht beruht im Wesentlichen auf der Auswertung von knappen Tagesberichten, die die Schüler während des Praktikums anfertigen (die Einrichtungen sind im Anschreiben gebeten worden, den Schülern hierfür Zeit einzuräumen). Er umfasst ohne Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Anlagen fünf Seiten.

Die Schüler geben diesen Bericht spätestens einen Monat nach Beendigung des Praktikums bei ihrer betreuenden Lehrkraft, die sie an der Praktikumsstelle bereits besucht hat, ab. Die Lehrer dürfen die Annahme verweigern, sofern ein Schüler seinen Bericht nicht fristgerecht abgegeben hat. Fehlende Berichte werden als nicht erbrachte Leistung bewertet und zusätzlich in der Schülerakte vermerkt. Hat ein Schüler den Bericht nicht mit der nötigen inhaltlichen, formalen sowie orthographischen Sorgfalt behandelt, so darf eine Überarbeitung gefordert werden. Auch die Beurteilung des Schülers durch die Praktikumsstelle (Anlage 2 des Anschreibens an die Praktikumsinstitution) findet in der abschließenden Beurteilung durch die Schule Berücksichtigung.

Nach Ableistung des Praktikum und Ausfertigung des Praktikumsberichts erhalten die Schüler von ihrem betreuenden Fachlehrer eine Bescheinigung, die eine erfolgreiche Teilnahme am Sozialpraktikum attestiert. Die Leistung der Schüler wird in der Formulierung der Bescheinigung gestaffelt anerkannt: Das Praktikum ist a) "zur vollsten Zufriedenheit", b) "zur vollen Zufriedenheit" oder c) "zur Zufriedenheit" absolviert worden. Eine Note wird nicht erteilt. Wird der Praktikumsbericht nicht oder nur in mangelhafter Form abgegeben, kann eine erfolgreiche Teilnahme am Sozialpraktikum nicht bescheinigt werden.

- O. Rebou

 

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